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Ottobrunns Klimacheck 2026

Details
Erstellt: 10. Januar 2026
Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2026

Die Kommunalwahlen stehen bevor - Zeit nachzufragen!

 

Interview/Ottobrunn – Die Mehrheit der Deutschen fordert mehr Klimaschutz von der Politik – das ist das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage im November 2025. Als Gemeinde im Landkreis München war Ottobrunn nicht Teil des Klimaanpassungsprojektes vom Landkreis München, und so ist es umso interessanter, die Zukunftsideen der Parteien in diesem Bereich zu erfahren. Die Bürgermeisterkandidaten präsentieren ihre Wahlprogramme. Doch wir als ehrenamtliche AGENDA21 AK Energie und Klima wollen es genauer wissen und uns in diesen komplizierten Zeiten aktiv einbringen. Dazu stellten wir am 18.11.25 an alle Parteien mit Ortverband die folgenden Fragen, deren Beantwortung sich ausschließlich auf zukünftige Maßnahmen fokussieren soll. Wir nutzen unsere Mitbestimmungsmöglichkeit, um den Klimaschutz in seinen verschiedenen Facetten auf diesem Weg weiterzubringen. Der Name Agenda21 mag überholt sein, doch das Programm ist am Puls der Zeit. Klimaschutz beginnt vor Ort – in unseren Häusern, Straßen, Schulen, Wäldern, Wiesen und Rathäusern. Nun ist es wieder möglich, einen neuen Impuls für Ottobrunn zu setzen.  Bei der Wahl zählt jede Stimme, lesen Sie hier, wie die Ottobrunner Klima-Zukunft aussehen kann.

 

5 offene Fragen - 4 Parteien haben geantwortet

Wählen Sie selbst welche Zukunftsidee für Ottobrunn Sie mittragen wollen!

Die Fragen beantworten:

Thomas Loderer (CSU) Florian Schardt (SPD) Leon Matella (BDG) Vivi Ulmer (Linke)
Thomas Loderer (CSU) Florian Schardt (SPD) Leon Matella (BDG) Vivi Ulmer (Linke)

             

1. Kommunikation & Beteiligung: Um alle Möglichkeiten für die notwendigen Veränderungen auszuschöpfen, ist die gesamte Gemeinschaft gefragt. Welche Möglichkeiten sehen Sie als Gemeinde, die Bürger*innen und Akteure in Ottobrunn (Vereine, Unternehmen, etc.) beim Thema Klimaschutz zu aktivieren und zu beteiligen?

Thomas Loderer: Schon heute informiert die Gemeinde sowohl in Printform als auch auf ihrer Webseite und per Müll-App umfänglich über alle denkbaren Möglichkeiten, umweltbewusst und klimafreundlich zu leben und zu handeln. Durch mehr zeitgemäße digitale Kommunikationsformate können relevante Zielgruppen sicherlich noch besser erreicht und noch stärker zu umwelt- und klimafreundlichem Handeln motiviert werden.

Florian Schardt: Das Wichtigste ist, dass der Wille zur Beteiligung da ist und es in der Verwaltung eine Anlaufstelle gibt. Unser Gemeindeblatt „Mein Ottobrunn“ ist gut, aber Ottobrunn hat Nachholbedarf bei der digitalen Kommunikation. Wie in anderen Gemeinden üblich, würde ich die öffentlichen Unterlagen des Gemeinderates auf der Homepage veröffentlichen. Besonders geeignet für Bürgerbeteiligung ist die Klimafolgenanpassung: Geeignete Flächen für schattige Plätze, Begrünungen und Entsiegelungen können im Zusammenspiel von Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam identifiziert und genutzt werden. Um trotz angespannter Haushaltslage an ausgewählten Plätzen Trinkbrunnen aufstellen zu können, würde ich mich intensiv um Sponsoren für die (teilweise) Finanzierung bemühen. Und insbesondere für die weitere Entwicklung einer nachhaltigen Wärmeversorgung, allen voran der Fernwärme, hat sich andernorts die Einrichtung eines ehrenamtlichen Energiebeirates bewährt.

Leon  Matella: Beteiligung und Aktivierung der Bürger*innen an Lösungssuche und Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde ist traditionell unser Kernanliegen. Dazu haben Mitglieder von uns vor 28 Jahren im damaligen Umweltbeirat als Dialogplattform die Gründung eines „Bürgerforums Lokale Agenda 21 Ottobrunn“ vorgeschlagen, konzipiert und zusammen mit dem Umweltbeirat initiiert. Der Arbeitskreis „Energie und Klima“ war dabei übrigens von Anfang an ein Herzstück der LA21 Ottobrunn. Wir werden uns jedenfalls weiter für die Stärkung und finanzielle Unterstützung der LA21 in der Gemeinde einsetzen. Daneben planen wir eine Reihe weitere Initiativen zur Beteiligung von Bürger*innen, wie

• Bereitstellung einer für Anregungen und Fragen ausgelegten onlineDialog-Plattform der Gemeinde,

• Einführung eines Mitmach-Haushaltes ähnlich dem Bürgerbudget in München

• Einführung und professionelle Moderation eines Jugendparlamentes mit eigenem Budget

Wenn es bei der Frage aber eher um die Aktivierung der Bürger*innen zur individuellen, praktischen Umsetzung klimafreundlichen Verhaltens bzw. Konsums geht, so ist es Wesenskern unserer politischen Arbeit - und damit unseres Wahlprogramms - für alle Lebensbereiche Voraussetzungen, Umgebungsbedingungen, Unterstützung, aber auch Regeln zu schaffen, die den Menschen eine nachhaltige Lebensweise ermöglichen. Die wichtigsten Handlungsbereiche in Ottobrunn sind dabei aktuell

• die Umstellung auf klimafreundliche Energieversorgung (s.u.)

• die Reduktion des fließenden und ruhenden Autoverkehrs.

Vivi Ulmer: Ein einfacher Weg einer Bürger*innenbeteiligung wäre sicher die Einrichtung der democyApp, wie es auch schon in unseren Nachbargemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Neubiberg geschehen ist! Hier haben die Bürger*innen die Möglichkeit, sich direkt zu gemeinderelevanten Themen zu äußern. In einer eigenen Kategorie zum Thema Klima können die Bürger*innen selbst ihre Ideen für unsere Gemeinde einbringen, die dann in einer Sitzung im Gemeinderat diskutiert werden.

Sehr viele Menschen kann man sicher auch über die Schulen erreichen. Das Gymnasium Ottobrunn ist bereits seit einigen Jahren Klimaschule – auch die Grundschulen könnten hier mitziehen! Diese Klimaziele müssen nicht gleich durch ein neues Heizsystem erreicht werden, sondern hier sind die Mitglieder der Schulfamilie gefragt, etwa durch den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad. So werden Kinder von klein auf dazu motiviert, aktiv am Klimaschutz mitzuwirken.

In Ottobrunn ist ja bereits viel geschehen – auf der Website der Gemeinde könnte zentral über Einrichtungen wie das Repair-Café am Haidgraben o.ä. informiert werden.

 

2. Energie & Wärme: Die kommunale Wärmeplanung für Ottobrunn wurde in der diesjährigen Bürgerversammlung vorgestellt. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, zusätzlich zu den bereits umgesetzten Maßnahmen, um die nachhaltige sowie bezahlbare Energie- und Wärmeversorgung in unserer Kommune auszubauen und bis wann sollen diese umgesetzt werden? Sehen Sie in der Mitarbeit in der ARGE Geothermie & Wärmewende eine Chance, den gemeindlichen Einfluss bei der Fernwärme zu erhöhen?

Thomas Loderer: Gerade in Bezug auf Fernwärme gilt: Grundlegende strategische Entscheidungen in der Vergangenheit eröffnen überhaupt erst bestimmte Optionen für die Zukunft. Auf Sicht der kommenden Jahre erscheint mir dank der geschaffenen Ausgangssituation die Umsetzung der folgenden Optionen am realistischsten (jeweils in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken München):

• Versorgung des Katholischen Pfarrzentrums St. Albertus Magnus durch Fortsetzung des Leitungsbaus entlang des Albertus-Magnus-Weges (für 2026 konkret geplant, gleichzeitig Erneuerung der Wasserleitung im betreffenden Abschnitt),

• Versorgung der großen Wohnhäuser entlang der Putzbrunner Straße östlich der Rembrandtstraße bis 2028,

• Versorgung der gesamten Ortsmitte (Quartier zwischen den Straßen Am Bogen, Rathausstraße, Naupliaallee und Rosenheimer Landstraße) bis 2029,

• Ausbau der Fernwärme entlang der Putzbrunner Straße westlich der Bahnlinie (Unterquerung des Bahngleises dank verlegter Leerrohre kein besonderer technischer Aufwand mehr). Versorgung der großen Wohnhäuser in der Schwalbenstraße und der Ostpreußenstraße.

Ihre Frage nach den Chancen einer „Mitarbeit“ in der ARGE Geothermie & Wärmewende beantworte ich wie folgt: Es ist nicht ganz klar, was genau Sie damit meinen, wenn Sie schreiben: „Chance, den gemeindlichen Einfluss bei der Fernwärme zu erhöhen“. Wenn Sie, wie ich vermute, ganz konkrete und messbare Fortschritte beim Fernwärmeausbau in Ottobrunn meinen, so bin ich der Überzeugung, dass eine institutionalisierte Mitarbeit, sprich Mitgliedschaft in der ARGE Geothermie & Wärmewende keinen spürbaren Nutzen für Ottobrunn hat. Im Gegenteil: Die im ARGE-Vertrag angestrebte Gründung einer Versorgungsgesellschaft brächte Ottobrunn sogar zahlreiche und gewichtige Nachteile. Zum einen träte diese in Konkurrenz zu den zwei Versorgungsgesellschaften, mit denen die Gemeinde Konzessionsverträge für Wärme abgeschlossen hat und von denen sie entsprechende Konzessionsabgaben erhält. Noch schwerer aber wiegt, dass sich die Gemeinde Ottobrunn dadurch gegen die SWM positionieren und so ohne Not den weiteren dynamischen Ausbau der Fernwärme gefährden würde. Rückblickend kann festgehalten werden, dass die ARGE Geothermie & Wärmewende bislang im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt war und nichts Substanzielles auf den Weg gebracht hat, während in der Gemeinde Ottobrunn der Fernwärmeausbau munter weitergangen ist (z.B.: Eichbauer - Siedlung an der Ulmenstraße und Burgmaierstraße).

Selbstverständlich schließt die Absage an eine förmliche ARGE-Mitgliedschaft nicht aus, dass fallweise bei konkreten Themen der Umsetzung der Wärmewende interkommunal zusammengearbeitet wird und beispielsweise Informationen ausgetauscht werden, die der einen oder anderen Seite die Planungen erleichtern.

Florian Schardt: Ich bedauere es sehr, dass Ottobrunn bisher nicht in der ARGE Geothermie & Wärmewende mitarbeitet und würde dies umgehend ändern. Das bayerische Wirtschaftsministerium hat die Position der kleinen Gemeinden gegenüber den SWM bei der weiteren Entwicklung der Geothermie in unserer Region gestärkt. Auf Augenhöhe mit den SWM können wir als Umlandgemeinden nur gemeinsam agieren. Die ARGE Geothermie & Wärmewende ist dafür gut geeignet, Ottobrunn würde den Verbund stärken. Ohne interkommunale Zusammenarbeit geht es nicht mehr. Mit der bestehenden Planung lässt sich arbeiten. Sie ist aber nur der erste Schritt. Dass wir die kommunale Wärmeplanung nicht gemeinsam mit den anderen Gemeinden organisiert haben, halte ich für einen Fehler, da wir dann eine einheitliche und besser vergleichbare Datengrundlage hätten. Gerade im engen Siedlungsraum Neubiberg, Ottobrunn, Riemerling und Waldkolonie ergibt es keinen Sinn, die Wärmeplanung an den Ortsgrenzen enden zu lassen. Was in Ottobrunn fehlt, ist ein Transformationsplan, der den Bürgerinnen und Bürgern Sicherheit gibt, ob und wann sie mit Fernwärmeversorgung rechnen können. Sie gibt der Gemeinde oder der ARGE Geothermie & Wärmewende auch eine Grundlage, um mit den SWM auf Basis von kommerziellen Daten zu verhandeln. An den SWM kommt man nicht vorbei. Der nächste Bürgermeister und der kommende Gemeinderat müssen aber intensiv nach Wegen suchen, die Abhängigkeit zu reduzieren. Und der Fernwärmeausbau braucht im Rathaus „ein Gesicht“. Eine Person, die das Thema vorantreibt, gut mit allen Interessensgruppen kommuniziert und widerstreitende Interessen ausgleicht.

Leon  Matella: Die sogenannte „kommunale Wärmeplanung für Ottobrunn“ verdient den Namen nicht. Sie ist keine Planung, sondern im Wesentlichen eine Bestandsaufnahme mit Bedarfsabschätzung und unverbindlicher Potentialeinschätzung von vor ca. 15 Jahren, ergänzt um die mit SWM ausgehandelten Trassen für Fernwärme, die weitgehend auf die Anbindung öffentlicher Liegenschaften fokussieren und nur einen geringen Teil des Gemeindegebietes abdecken. Die „Planung“

• ist nicht flächendeckend für Ottobrunn

• lässt kritische Bereiche (z.B. Parksiedlung Ranhazweg), für die eine Planung besonders wichtig und lohnend wäre, völlig aus

• enthält keine definierten Ziele, sondern außer den Haupttrassen der SWM für Fernwärme nur Potentialaussagen ohne wertbare Bedeutung: Geschätzt 80% des Gemeindegebietes sind mit „Prioritätsstufe 1/2/3 für den Auf- bzw. Ausbau von Wärmenetzen“ deklariert, wobei die Bedeutung dieser Prioritäten im Sinne eine Planung völlig offen bleibt

• und ignoriert den entscheidenden Aspekt einer Wirtschaftlichkeitsbewertung völlig, während SWM und Bürgermeister andererseits auf konkrete Anfragen hinsichtlich Bereitstellung von Wärmenetzen genau damit argumentieren.

Daher ist die dringlichste Maßnahme die Durchführung einer tatsächlichen „kommunalen Wärmeplanung“, die allen Anwohnern Ottobrunns klare Planungsaussagen liefert. Für eine solche Planung, die aus Kapazitätsgründen von einer externen Beratungsinstanz durchgeführt werden muss, ständen vom Freistaat Fördermittel zur Verfügung (ca. 122.000 € für Ottobrunn), die die Gemeinde möglicherweise schon verspielt hat, indem sie vorzeitig ihre Pseudo- „kommunale Wärmeplanung“ eingereicht hat, wie sie sagt zur „Einsparung öffentlicher Gelder“, also der Förderung der Kommune durch den Freistaat.

Die vollständige Planung (Was? Wann? Wer? Kosten?) des Ausbaus zusätzlicher Wärmenetze – z.B. Fernwärmenetz oder kalte Nahwärmenetze oder … - ist vordringlich zu erstellen, denn sie hat wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen der Bürger*innen. Daneben ist auch eine Analyse des bestehenden Stromnetzes und eine Planung des Ausbaus notwendig, um Wärmepumpen in größerem Umfang betreiben zu können. Da Ottobrunn für eine eigene Energieerzeugung mit z.B. Windkraft, Solarparks und Tiefengeothermie keine geeigneten Flächen hat, wäre es nicht nur naheliegend, sondern geradezu zwingend, mit den Nachbargemeinden des Landkreises, die bessere Voraussetzungen haben, zu kooperieren. Deshalb haben wir beantragt, dass Ottobrunn sich an der „ARGE Geothermie und Wärmewende“ im Landkreis München beteiligt, und werden uns auch weiter für die Kooperation der Gemeinde im Landkreis einsetzen. Wir halten das ausdrücklich nicht für „Stuhlkreis“-Treffen und verurteilen die dahinter sichtbar werdende Arroganz des Bürgermeisters. Ein Termin zur Umsetzung einer klimafreundlichen Energieversorgung in Ottobrunn ist ohne die ausstehenden Planungsuntersuchungen nicht seriös abschätzbar. Ottobrunn sollte jedenfalls nicht hinter die bundesweit vereinbarten Zieltermine (2045) zurückfallen. Das sind nur 20 Jahre: die Planungsaktivitäten müssen daher sofort beginnen.

Vivi Ulmer: Weitere Maßnahmen zur klimafreundlichen Energie- und Wärmeversorgung könnte ein Ausbau der Bürgerenergie sein – wie bei der Ferdinand-Leiß-Halle über Photovoltaik-Anlagen bereits umgesetzt –, über Mieterstrom in Mehrparteienhäuser oder Quartierspeicher in Gegenden, in denen der Anteil an PV-Anlagen ohnehin recht hoch ist. Dadurch könnten insbesondere Mieter*innen entlastet werden.

Noch nachhaltiger und flächendeckender kann eine grüne Energieversorgung sicher über eine Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden umgesetzt werden, etwa bei einer Kooperation zur Errichtung von PV-Anlagen oder von Windrädern im Höhenkirchner Forst.

In der Mitarbeit in der ARGE Geothermie & Wärmewende sehen wir eine große Chance, gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden in unserer Region Klimaneutralität zu erreichen.

 

3. Wohnen & öffentlicher Raum: Wie stellen Sie sich eine klimafreundliche Ortsentwicklung in Ottobrunn vor – hinsichtlich Wohnens, Mobilität und öffentlicher Raum? Welche konkreten Ideen haben Sie für die nächsten Schritte, auch unter Berücksichtigung der teils unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Generationen?

Thomas Loderer: Bei größeren Bauvorhaben sieht die bereits praktizierte Bauleitplanung der Gemeinde als besondere Elemente regelmäßig Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas (Fassaden- und Dachbegrünung, Pflanzen von Bäumen), Retentionsflächen für Starkregenereignisse („Schwammstadt“) und Maßnahmen der ortsnahen Mobilität (Mobilitätsstationen mit ausleihbaren Lastenrädern, Paket-Stationen) vor. Diese Elemente sind auf Basis entsprechender Erfahrungen anderer Kommunen wie etwa der Landeshauptstadt München weiterzuentwickeln.

Der Nahmobilität (zu Fuß gehen, Radfahren) muss in der Ortsentwicklung generell mehr Raum gegeben werden. Dazu gehören Maßnahmen wie die Verbreiterung von Gehwegen, die Absenkung von Schwellen beim Überqueren von Straßen, der Ausbau von Radwegen entlang der Kreisstraßen (vor allem Unterhachinger Straße und Putzbrunner Straße) oder Straßenmarkierungen, die die Rolle von Radfahrern als gleichberechtigte Straßennutzer (im Vergleich zu Kfz-Nutzern) betonen und zugleich deren Sicherheit erhöhen. Als Mitglied des Aufsichtsrats der Internationalen Bauausstellung (IBA) Metropolregion München GmbH, die unter dem Motto „Räume der Mobilität“ steht, lerne ich derzeit viele Ideen kennen. Dabei halte ich gezielt Ausschau nach solchen Ideen, die wir auch in Ottobrunn ausprobieren können.

Florian Schardt: Ottobrunn ist vergleichsweise dicht bebaut. Punktuelle Nachverdichtung halte ich für vertretbar, aber mit Augenmaß und unter Beteiligung der Bevölkerung. Wohnen, Arbeiten, kommunale Infrastruktur, Naherholung und Verkehr müssen sich im Gleichklang und aufeinander abgestimmt entwickeln, eine transparente Kommunikation hilft beim Ausgleich von Interessen. Statt nur über Neubauten zu sprechen, muss ein verstärktes Augenmerk auf den Leerstand gelegt werden. Im letzten Zensus hatte Ottobrunn alleine bei den 5.640 Mietwohnungen 239 leerstehende. Zum Vergleich: In Unterhaching kamen auf 7.785 Mietwohnungen 230 leerstehende. Ich möchte mich zu diesem Thema intensiv mit anderen Gemeinden austauschen und herausfinden, welche Maßnahmen andernorts bereits erfolgreich sind, Leerstände abzubauen. Meine Vision für Ottobrunn ist ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt, wie in Unterföhring gekoppelt an ein Wohnungstauschprogramm für Menschen, die gerne in eine kleinere Wohnung ziehen möchten.

Leon Matella: Wir erstellen ein kommunales Klimaschutzprogramm und eine kommunale Wärmeplanung, die Bürgern, Planern und Versorgungsunternehmen Entscheidungshilfe gibt. Wir fördern flächendeckende Solarenergie. In enger Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden treiben wir den Ausbau von Fernwärme und Geothermie voran (s. schon oben). Wir werten den Ort mit lebendigen Begegnungsräumen auf. Dazu gehört eine Begrünung großer versiegelter Flächen, die kühlt und Schatten spendet. Zur Mobilität siehe im folgenden Punkt.

Vivi Ulmer: Hier könnten wir nutzen, was bereits da ist, um unseren Ort für alle Generationen attraktiver zu gestalten. Ein offener Bürger*innentreff im Wolf-Ferrari-Haus ohne Konsumzwang wäre eine Möglichkeit, die Menschen zusammenzubringen. Auch könnte der Ort durch die Organisation von Musik-Veranstaltungen belebt werden, die speziell jüngere Menschen ansprechen! So spart man sich die Wege in Nachbargemeinden, was uns schon zum nächsten Punkt bringt.

 

4. Mobilität & Verkehr: Welche konkreten Schritte sehen Sie vor, um den Verkehr in unserer Gemeinde zu reduzieren und energieeffizienter zu gestalten? Wie wollen Sie die Zusammenarbeit mit Energieversorgern, privaten Investoren und der Bürgerschaft fördern, um ein flächendeckendes und bezahlbares Netz an Ladestationen in Ottobrunn zu schaffen?

Thomas Loderer: Es geht nicht darum (und es wäre auch illusorisch), „den Verkehr in unserer Gemeinde zu reduzieren“; vielmehr kann dieses Ziel aus meiner Sicht nur hinsichtlich des motorisierten Individualverkehrs (MIV) gelten (unabhängig von der Antriebstechnologie). Technisch am leichtesten und kostengünstigsten umzusetzen ist die flächendeckende Einführung einer 30 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung, die ich befürworte. Am effektivsten lässt sich der MIV zurückdrängen, indem die Attraktivität des ÖPNV gesteigert wird. Neben vielen kleinen Maßnahmen wie Taktverdichtungen bei Buslinien, Maßnahmen der Busbeschleunigung und Aufstellen von Radständern an Bushaltestellen gilt es in den kommenden Jahren die Verlängerung der U-Bahn U5 nach Ottobrunn/Taufkirchen politisch voranzutreiben. Diese Forderung hat die CSU Ottobrunn bereits 1990 in einer Publikation formuliert.

Auch muss durch geeignete bauliche Vorhaltemaßnahmen am Bahnhof Neuperlach Süd dauerhaft sichergestellt werden, dass der zweigleisige Ausbau der S-Bahn möglich bleibt. Ein flächendeckendes Netz – was meinen Sie in diesem Zusammenhang eigentlich genau mit „bezahlbar“? – an Ladestationen in Ottobrunn ist wünschenswert. Der richtige Ort für diese Lademöglichkeiten sind neben klassischen Tankstellen grundsätzlich private (Garagen-)Stellplätze, Stellplätze in öffentlichen Tiefgaragen und Parkhäusern, Stellplätze vor Geschäften und Dienstleistungsbetrieben und Beschäftigtenparkplätze von Unternehmen. So hat die Gemeinde bei der Sanierung der Tiefgarage in der Ortsmitte alle rund 340 Stellplätze für den Einbau von Ladeinfrastruktur vorgerüstet und alleine hierfür rund 200.000 Euro extra investiert. Auch im Zuge der aktuell durchgeführten Sanierung der

Rathaus-Tiefgarage werden E-Lade-Plätze geschaffen. Auf Straßengrund sollten Ladesäulen nur in Ausnahmefällen errichtet werden, da sie in vielen Fällen der Bewegungsfreiheit von Fußgängern und Radfahrern und der Barrierefreiheit im Allgemeinen entgegenstehen.

Florian Schardt: Schon jetzt sind die X-Busse zum TU-Campus in Stoßzeiten überfüllt. Wenn es auch ein dickes zu bohrendes Brett ist: Wir brauchen die Verlängerung der U5. Und damit alle mitziehen, brauchen wir ein kooperatives Verhältnis zu unseren Nachbarn. Im Radverkehr gebe ich punktuellen Verbesserungen den Vorzug vor schwer zu realisierenden „großen“ Lösungen. Insbesondere die Putzbrunner Straße muss sukzessive optimiert werden, zumal sie mit dem neuen Putzbrunner Gymnasium einer weiteren Schule als Schulweg dient, die als einziges Gymnasium mit Wirtschaftszweig auch von anderen Gemeinden aus angefahren werden wird. Das Zusammenspiel aus Gemeinde und Energieversorger klappt bei E-Ladestationen vielerorts sehr gut, die Gemeinde muss im Wesentlichen dazu bereit sein. Dass Ottobrunn einerseits Hightech- und Weltraumcampus-Gemeinde sein will, sich andererseits aber E-Ladestationen im öffentlichen Raum bislang fast vollständig verweigert, passt nicht zusammen.

Leon  Matella: Wir fördern den Radverkehr durch ein durchgängiges Radwegenetz, sichere Markierungen und Schutzstreifen. An Straßenübergängen und vor Gebäuden mit Publikumsverkehr planen wir auch Platz für Lastenräder ein. Deren Anschaffung fördern wir weiterhin. Für Fußgänger, auch mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen, beseitigen wir Barrieren, schaffen an problematischen Stellen gut erkennbare Übergänge und möglichst vom Radverkehr getrennte Bereiche. Wir stellen Flächen für Carsharing, Leihräder und für das Laden von Elektrofahrzeugen zur Verfügung. Wir fördern einen attraktiven Öffentlichen Nahverkehr durch Takterhöhung der Busse auch nachts und am Wochenende. Wir setzen uns für den Ausbau der S5 und die Verlängerung der U5 ein.

Vivi Ulmer: In einer Gemeinde mit so guter Infrastruktur wie Ottobrunn ist es möglich, dass viele Menschen weitestgehend auf das Auto verzichten können – dabei muss allerdings das Fahrradfahren und zu-Fuß-Gehen so angenehm und sicher wie möglich gestaltet werden. Zu enge Fußwege oder geteilte Fuß- und Radweg sind sicher nicht die optimale Lösung. Der Ausbau von Fahrrad- und Spielstraßen, wie es in der Pestalozzistraße geschehen ist, sollte Vorbild für die weitere Ortsentwicklung sein!

Um die Elektromobilität zu fördern wäre es wünschenswert, wenn gerade in Gebieten mit hoher Einwohnerdichte öffentliche Ladestationen errichtet werden. Diese könnten nach dem Prinzipien Bürgerenergie und Mieterstrom funktionieren, indem Eigentümer private PV-Anlagen als Stromquelle anbieten. Sie steigern dadurch den Wert ihrer Immobilie und generieren auf lange Sicht zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf ihres Öko-Stroms. Die Mietenden dagegen profitieren von günstigeren Strompreisen und sind unabhängig von großen Anbietern sein.

Den weiteren Ausbau der U-Bahn unterstützen wir, da wir uns dadurch eine Entlastung der Rosenheimer Landstraße erhoffen.

 

5. Klimaanpassung: Welche kommunalen Strategien sehen Sie, um die Menschen in Ottobrunn vor den hier relevanten Klimafolgen, wie Hitze- und Starkregenereignissen zu schützen? Welche Maßnahmen wollen Sie in der kommenden Amtszeit angehen?

Thomas Loderer: Am wichtigsten sind der Erhalt der Grünflächen, das Pflanzen weiterer Bäume, ein nachhaltiges Waldmanagement und der Schutz unseres Trinkwassers. Auch bekenne ich mich klar zur konsequenten Durchsetzung unserer Baumschutzverordnung. Die befürchtete oder tatsächliche Verschattung von Solaranlagen sind kein hinreichender Rechtfertigungsgrund für das Fällen von Bäumen. Die Maßnahmen zum Hitzeschutz sind bekannt und können in Ottobrunn jederzeit umgesetzt werden. Im Bedarfsfall stehen beispielsweise im Wolf-Ferrari-Haus ausreichend klimatisierte Räume zur Verfügung. Starkregenereignisse sind in Ottobrunn aufgrund der Bodenverhältnisse normalerweise kein großes Problem. Bei Baumaßnahmen sind im Zweifel Retentionsflächen einzuplanen. Flächenversiegelung ist zu vermeiden; zugleich sollte versucht werden, Flächen zu identifizieren, die problemlos entsiegelt werden können.

Florian Schardt: Die Gemeinde ist auf dem Gebiet der Klimaanpassung tätig, aber für die Bevölkerung ist es derzeit eine Black Box, wo wir stehen, und was geplant ist. Eine bestehende Förderung der Gemeinde zur Begrünung versiegelter Flächen ist bspw. kaum bekannt und wird entsprechend auch wenig genutzt. Deshalb ist der erste Schritt mehr Transparenz. Ganz akut braucht es eine Lösung für die wiederholten Überschwemmungen, die bei Starkregen auftreten. Dringend erforderlich ist eine Bestandsaufnahme mit Maßnahmenkatalog oder – sofern dies bereits vorliegt – eine transparente Kommunikation darüber. Letztlich ist Klimaanpassung ein Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Ob man es Hitzeaktionsplan oder anders nennt, ist für mich nicht entscheidend. Aber es braucht eine praktikable, auf die Gemeinde heruntergebrochene Struktur zur Organisation und Kommunikation dieser Maßnahmen.

Leon Matella: Wir kämpfen für jeden einzelnen Baum und für jede Grünanlage im Ortsgebiet. Wir streben die Ausweitung von Grünflächen und Baumbestand, Dach- und Fassadenbegrünung im gesamten Ortsgebiet und, wo möglich, die Entsiegelung von Flächen an. Dazu greifen wir auf Ressourcen wie das Entsiegelungskataster des Landkreises zurück.

Vivi Ulmer: Aufgrund der hohen Bebauungsdichte unserer Gemeinde sind wir vor allem im Sommer von Hitzewellen betroffen. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, unsere Gemeinde so grün wie möglich zu gestalten: etwa durch Fassadenbegründung an öffentlichen Gebäuden oder mehr Grünstreifen anstelle von zu kleinen Gehwegen bei Straßenumbauten (s. Punkt 4). Durch diese teilweise Entsiegelung entstünden auch Sickerflächen, die insbesondere bei Starkregenereignissen gebraucht werden. Der Rathausplatz könnte zudem durch die Errichtung eines Trinkwasserbrunnens und die Errichtung von begrünten Sitzbänken (vertikale Gärten) aufgewertet werden. Um die Finanzierung zu stemmen könnte man mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten.

 

Ihre Frage war nicht dabei?! Nutzen Sie Ihre Stimme und wenden Sie sich gerne an die Parteien!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ihre AGENDA21- Ottobrunn AK Energie und Klima